Wir starten extrem früh in Villa Union, da Teile der Ruta 40 gesperrt sind und wir einen riesigen Umweg über die Ruta 78, 150 und 74 nach Chilecito fahren müssen. Ärgerlich zumal wir eine szenische Fahrt durch die Questa Miranda verpassen. In Chilecito besuchen wir vor unserem mittäglichen Picknick noch die Statue des Christo de Portezuelo über Chilecito gelegen. Fast wie in Rio! Nicht wirklich.
Blick von oben auf Chilesito.
Die eigentlich Attraktion Chilecitos ist aber die “Cable Carril” eine Materialseilbahn. Die auch “Chilecito-La Mejicana” genannte war zu ihrer Zeit die längste Seilbahn der Welt und auch die Seilbahn mit der höchstgelegenen Bergstation.
Die Materialseilbahn wurde in den Jahren 1903 und 1904 gebaut, um Chilecito, in 1.076 m Höhe gelegenen mit dem am Osthang der Sierra de Famatina in über 4.600 m Höhe gelegenen Bergwerk Mina la Mejicana zu verbinden.
Die 35 km lange Seilbahn führte mit Steigungen von bis zu 45° über unwegsames, bergiges Gelände und überwand dabei einen Höhenunterschied von 3.528 m, der bis heute nicht übertroffen wurde. Die Erzbergwerke in den Famatina-Bergen sind seit Jahrhunderten bekannt, konnten aber mangels Bauholz in der waldlosen Landschaft und wegen der beschränkten Transportmöglichkeiten nur sehr oberflächlich ausgebeutet werden. Jährlich wurden etwa 4.000 t Gold-, Silber- und Kupfererz mit Maultieren zu kleinen Metallhütten bei Famatina oder Chilecito gebracht. Die berühmtesten Gruben lagen an dem Bergrücken La Mejicana, der nach mexikanischen Einwanderern, die hier gegraben hatten, benannt wurde. Obwohl die in bis zu 5.000 m Höhe gelegenen Gruben nur 35 km Luftlinie von Chilecito entfernt waren, musste man auf Maultierpfaden 120 bis 150 km weit laufen, was bei Wetterstürzen oder verfrüht einsetzenden Schneefällen lebensgefährlich werden konnte. Nach langen Studien und zahlreichen Entwürfen erhielt die Firma Adolf Bleichert & Co., Leipzig-Gohlis, von der argentinischen Regierung den Auftrag, eine Seilbahn nach der damals so bezeichneten “deutschen Bauart” der Fa. Bleichert, also einer Zweiseilbahn mit festem Tragseil und umlaufenden Zugseil, zu errichten. Allerdings waren noch nirgends Seilbahnen mit ähnlicher Länge oder ähnlichen Steigungen gebaut worden, obendrein in einer vollkommen unzugänglichen Gegend, in der spätere Reparaturen kaum möglich wären.
Um das Baumaterial zur Trasse zu bringen, musste zunächst ein 50 km langer Weg von Chilecito zu den Erzgruben mit Stichwegen zur Trasse gebaut werden. Insgesamt wurden 110 km Wege angelegt. Die eigentlichen Bauarbeiten begannen im Oktober 1903 und wurden bereits im Dezember 1904 fertiggestellt. Zeitweilig waren bis zu 1.200 Bauarbeiter an der Strecke tätig, fast alle waren Einwanderer aus den verschiedensten Ländern, außer den vom Unternehmen entsandten deutschen Schlossern. Es mussten Arbeits- und Montageplätze, Lager und Unterkünfte gebaut werden. Der Transport erfolgte mit 600 Maultieren, zuletzt unter Zeitdruck mit rund 1.000 Lasttieren. Am 1. Januar 1905 wurde die Seilbahn in Betrieb genommen. Die Gesamtfahrzeit betrug rund 4 Stunden. Die Anlage hatte eine stündliche Leistung abwärts von 40 t. Die Seilbahn wurde im Jahr 1926 außer Betrieb genommen. Die verbleibenden sterblichen Überreste werden als historische Stätte so gut wie möglich – also eher fast gar nicht – gewartet. Schade um so ein technisches Meisterwerk.
Das kleine Museum zur Bahn.
Übernachtung in Belén.
Abends noch ein paar Geburtstaggrüße an den lieben Manfred Urich und meine Schwester Ingrid per Mail abgesetzt, die ja am 8. August Geburtstag haben. Telefonieren mit der blöden “World-Sim-Card” mal wieder Fehlanzeige in Argentinien.
Am Geburtstag weiter über die Ruta 40 Richtung Cafayate, wo wir auf einem Weingut (Casa de la Bodega) zwei Nächte bleiben wollen.
Unterwegs ein Lkw mit Reifendruckregelanlage – kennen wir von unserer großen Reise schon. Damit kann man ohne auszusteigen den Reifendruck herauf- oder herunterfahren, z.B. wenn man Pisten fährt. Haben viele Lkw hier. Wahrscheinlich erhöht niedriger Reifendruck auch die Bremsleistung auf Pässen, da ja die Auflagefläche des Reifens größer wird.
Fotostop unterwegs.
Und dann das – ganz in unserer Nähe (relativ jedenfalls). Kein Truthahn. Ein Condor, mindestens 1 Meter hoch. Leider hab ich natürlich den folgenden Start verpasst, schade!
Gegend. Campo de Arreal – auch die Sahara Argentiniens genannt.
Wir nähern uns dem Vale Calchaquies, einer der berühmtesten Weingegenden Argentiniens, bekannt besonders für seine guten Weißweine (Torrontés), die hier auf 2.000m angebaut werden.
Erst mal aber noch weitere Kultur. Die Iglesia de Nuestra Senora del Rosario in Hualfin aus dem Jahr 1770.
Unterwegs. Sieht aus wie überall auf der Welt.^
Weiter.
Fotostop bei einer Verehrungsstätte für Maria.
Amaichá del Vale.
In Amaichá del Vale besuchen wir das Museo del Pachamama. Das im Jahr 2000 auf Privatinitiative eröffnete Museum zeigt in mehreren Räumen den Pachamama-Kult, das Alltagsleben der indianischen Urbevölkerung und erläutert die Bodenschätze der Region. Die Gebäude sind in der typischen indianischen Steinarchitektur gehalten. Die indigenen Ureinwohner feiern in der Region einmal jährlich in der Karnevalswoche das Fest der Pachamama; aus den umliegenden Orten kommt man zusammen, um der „Pachamama“, der Fruchtbarkeitsgöttin für die Ente zu danken. Den Glauben an Pachamama findet man hier selbst unter Katholiken, die wie selbstverständlich den ersten Tropfen Wein zu Boden gießen, bevor sie ihn selbst trinken, um ihm Pachamama zu opfern.
Mit hatte es mal wieder besonders die schöne Architektur angetan; mit Bodenschätzen und indianischer “Dippe-Mess” hab ich`s ja nicht so.
… und dann gönne ich mir beim Warten auf die Gruppe vor dem Museum noch zwei Selfies. Da musste ich denn doch über mich selbst lachen – ich der ich immer über die Selfies der Anderen lästere.
Wir machen uns auf den Weg zu den nur 22km entfernten Ruinen von Quilmes. Dor auf dem Parkplatz entdecke ich dieses nun wirklich ausgewachsene Wohnmobil. Ich unterhalte mich kurz mit den Eignern. Eine Familie aus Buenos Aires mit zwei Kindern und Hund auf dem Weg nach Kolumbien. Not bad!
Nun aber wieder zu den Indianern. Die Ruinen von Quilmes. Zu Beginn des 11. Jhdts. bauten die Quilmes-Indianer, die wohl eigentlich von der westlichen Seite der Anden stammten hier an strategisch interessanter Stelle eine neue Stadt, in der vor der Eroberung, etwa 5.000 Menschen lebten. Um sich gegen u.a. die Inka zu schützen geschah dies festungsartig. Doch gegen die Spanier halfen schließlich auch die dicksten Mauern nichts. 1665 wurden die Quilmes nach 35-jähriger Gegenwehr doch besiegt. Dem Umsiedlungskonzept der Inkas folgend, zwangen die Spanier die letzten Überlebenden der Quilmes, 270 Familien, zu einem über 1.000 km langen Fußmarsch bis nach Buenos Aires. Wer den Marsch überlebte starb dort an Krankheiten. Eine Vorstadt von Buenos Aires trägt heute noch den Namen Quilmes. Ebenso das populärste Bier Argentiniens, das dort gebraut wird.
Wir haben Glück, dass die von den Nachfahren der Quilmes verwalteten Ruinen geöffnet haben. Zeitweise wurde nämlich gestreikt, da das Eintrittsgeld nicht mehr bei der Communidad der Nachfahren ankam.
Wir machen mit Guide einen großen Rundgang durch die Anlage; inklusive Kraxeln.
Wunderschöne Kandelaber-Kakteen soweit das Auge reicht.
… und Ruinen bzw. die Grundrisse der Stadt.
Auch hier Steingefäße, die nach Aussage unseres Guides zu kultischen Zwecken genutzt wurden.
Der späte Nachmittag bricht heran und wir machen uns auf Richtung Cafayate zu unserem Weingut, wo wir zwei Nächte verbringen wollen.
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